Ein erstes Date im Limbus wird zu einem lebensverändernden Ereignis.
BlogGeglückte Missionen

Es waren einmal zwei Menschen, die hatten ähnliche Interessen und Werte. Das merkten sie schnell, als sie sich im Internet kennenlernten. Nach vielem Wischen und Tippen und unzähligen Texten und Grübeln stand die Entscheidung: Sie wollten auch in der echten Welt zusammenfinden. Doch so ganz für die richtig echte Welt reichte ihr Mut noch nicht, daher kamen sie in den Limbus.


Weithin war bekannt, dass eine gemeinsame Mission so sehr zusammenschweißt, wie sonst nichts. Zudem konnte man auf einer Zeitreisemission, auf der noch einmal besondere Fähigkeiten und Charaktereigenschaften wichtig sind, besonders gut den Kern einer anderen Person erkennen. Und für den Fall, dass bei der Mission etwas schief ginge, wäre man zusammen für immer in den Weiten der Raumzeit verloren. Man kann sich kaum etwas Romantischeres vorstellen!


So trafen sich also die beiden frisch und vergnügt an der Bar des Limbus. Ein Ort, an dem schon so manche Emotionen (teilweise verstärkt durch Alkohol) Menschen zusammengebracht und entzweit haben. Unsere beiden Menschen verabredeten sich extra einige Zeit vor dem Beginn ihrer Mission, um noch etwas Zeit zu haben, gemeinsam etwas zu trinken, etwas Alkoholisches. Später konnte niemand sagen, ob es dieser Alkohol war, der ihnen zum Verhängnis wurde.


Sodann quietschvergnügt und mit rosigen Wangen waren sie auch ganz angetan von ihrem betreuenden Mechaniker an diesem Abend und ebenso vergnügt ließen sie die Einstiegshypnose über sich ergehen. Den Körperscanner durchschritten sie recht schnell (ebenfalls ein möglicher Grund für das folgende Verhängnis), denn sie lockte das vielversprechende Risiko. Schon im Reaktorraum angekommen, warfen sie sich verliebte Blicke zu und konnten kaum die Augen voneinander lassen. Betsy, der zuverlässigste Reaktor, machte einen verärgerten Eindruck. Doch das konnte auf keinen Fall zum Verhängnis geführt haben, denn schließlich ist Betsy der zuverlässigste Reaktor und niemand würde je auch nur daran denken, dass sie Testpersonen mit Absicht gefährden würde.


Die Sicherheitsregeln winkten sie schnell ab, sagten, sie wären bereits auf Zeitreisen gewesen. Erstaunt, aber ebenso begeistert, konnte der betreuende Mechaniker es kaum abwarten, die beiden in die Portalschleuse und durch die Zeit zu schicken. In der Nachbefragung gestand er, bei der Nachkalibrierung der Schleusenparameter eventuell ein paar Flüchtigkeitsfehler gemacht zu haben. Glücklicherweise gab es bei den ersten beiden Portalreisen und auf der gesamten ersten Mission keinerlei Komplikationen. Das Team konnte sogar ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis erzielen und landete auf der Bestenliste. 


Sogleich eilten sie, die nächste Mission anzutreten. Wieder gab es zunächst keine Auffälligkeiten bei der ersten Portalreise, sie retteten sogar unsere Zukunft. Doch dann geschah es. Auf der Rückreise kam es zunächst zu einer Verzögerung, die Testpersonen mussten in einer Zwischendimension einen Zwischenstopp einlegen, während Betsy, der zuverlässigste Reaktor, mächtig schnaufte und flackerte. Der betreuende Mechaniker musste ihr sehr gut zureden, einen Phasenüberbrücker anschließen und mit einer Handpumpe nachhelfen, um ausreichend Energie für den Rest der Rückreise einzuspeisen. 


Bei den daraufhin bei den Testpersonen auftretenden Veränderungen ist nicht ganz klar, ob sie durch die Portalreise zustande kamen oder bereits in der Zwischendimension auftraten, inwieweit der Alkoholkonsum einen Einfluss hatte oder Betsy irgendwie verärgert war (letzteres ist natürlich unwahrscheinlich). Schlussendlich schafften es die beiden lebendig zurück in den Limbus der Gegenwart. Jedoch trat aus der Schleuse nicht zwei Personen heraus, sondern nur eine. Die Körper der beiden waren in der Mitte miteinander verwachsen, jeder hatte jeweils einen Arm und ein Bein mit in die Verbindung gebracht, genau wie einen Kopf. 


Die beiden schien das in keinster Weise zu bekümmern, sie machten Scherze, lachten und meinten, jetzt könnten sie ja viel besser Rätsel lösen und zusammenarbeiten, weil weniger Gliedmaßen zu organisieren und mehr Hirnleistung verfügbar seien. Ihr betreuender Mechaniker war noch um Entschuldigungen bemüht, weil er fürchtete, zwei erfolgreiche Zeitreiseagenten für zukünftige Zeitreisemissionen zu verlieren. Er schlug vor ihren Fall an den Club für humanitäre Erstversorgung gestrandeter Seelen weiterzuleiten und um Unterstützung zu bitten. Doch unser neuer Doppelagent lehnte dankend ab und fragte nur, ob auch das Ergebnis der zweiten Mission es auf die Bestenliste geschafft habe.


Es stellte sich heraus, dass die körperliche Veränderung der beiden tatsächlich ein Glücksfall war. Sie konnten eine Wohnung aufgeben, teilten ihre Organe, sodass sie weniger Essen mussten, ausreichend Minerale und Vitamine für ihre zwei Gehirne nehmen sie über Präparate auf, und waren tatsächlich ein grandioses Team. Bis heute schicken wir sie immer wieder auf die gefährlichsten Missionen und sie kommen immer wieder zurück.


Und nun war es zweimal ein Mensch…